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Bodenarbeit mit Pferden

„Warum macht man eigentlich Bodenarbeit mit einem Pferd?“

„Was nützt mir das?“

Kurze Zusammenfassung:

Vertrauen Deines Pferdes und Respekt Deiner Person ist das, was Du bekommst.

Ein Pferd, das mit Dir oder für Dich fast überall hingeht, Dich als seinen natürlichen Führer anerkennt, weil es bei Dir sicher ist und Dich und Deinen Raum respektiert.

Wie erreichst Du das aber nun, ein Pferd, das nicht grenzüberschreitend immer mal wieder austestet, was geht oder eben nicht. Egal ob im Offenstall, am Boden oder im Sattel.


Bodenarbeitsübungen vor dem Ausritt

Du brauchst nur etwa 10 Minuten, erfährst aber in dieser Zeit ganz viel über die Stimmung Deines Pferdes und die Beziehung, in er es zu Dir steht.

Ist mein Pferd heute ausgeglichen oder eher schreckhaft, läuft es überhaupt sauber?

Das kann ich nicht vollumfänglich nur beim Putzen oder Hufe auskratzen klären.

Die vier wichtigsten Checks

Ich möchte herausfinden, ob ich in der Lage bin,

  • das Tempo und
  • die Richtung zu bestimmen,
  • ob mein Pferd zu mir kommt, wenn ich es dazu auffordere und
  • ob es mir weicht.

Wenn das geklappt hat, kannst Du davon ausgehen, dass das Pferd bei Dir ist. Nebenbei hattest Du die Möglichkeit, das Pferd ausgiebig zu beobachten und Gangunreinheiten oder andere Probleme zu erkennen.

Das auf Dich konzentrierte Pferd erkennst Du daran, wo seine Augen und Ohren sind.


Wie geht die Bodenarbeit mit Pferd nun konkret?

Hierfür gehe ich auf eine begrenzte Fläche von idealerweise etwa 15×15 m und  schicke mein Pferd mit Hilfe einer langen Gerte oder eines Seiles auf den Zirkel. Dort werden zuerst verschiedene Gangarten abgefragt. Es klappt gut, wenn Du die Hinterhandposition einnimmst und Du selbst in die Richtung abgedreht bist (mit der Hüfte) in die dein Pferd laufen soll und die Gerte/Stick oder was auch immer auf die Hinterhand des Pferdes zeigt. Meine Hilfen funktionieren über die Höhe auf die der Stick zeigt.

  • Zeigt der Stick auf Höhe zwischen Krongelenk und Sprunggelenk, weiss mein Pferd, dass ich es gerne im Schritt sehen möchte.
  • Zeigt der Stick deutlich höher, nämlich auf die Hüfte, dann möchte ich, dass es trabt.

Anfangs habe ich Stimmhilfe und den Stick verwendet, inzwischen klappt das Ganze auch ohne Worte.

Seitenwechsel… Du kontrollierst die Richtung

Mache einen grösseren Schritt von der Hinterhand auf die Vorderhand, wechsele hierbei die Hand, die den Stick oder die Gerte hält und drehe die Hüfte in die Richtung, in die Dein Pferd abdrehen soll. Das Pferd wendet sich in Deine Richtung, dreht ab, wendet und Du nimmst erneut die Hinterhandposition ein.


Was tun, damit das Pferd Dir weicht

Eine wichtige Frage an Dein Pferd ist die, ob es Dir ausweicht, wenn Du seinen Raum beanspruchst.

Das ist kein Machtgehabe, sondern bietet Dir Sicherheit, wenn Du Dich frei mit Deinem Pferd bewegst. Sei es im Offenstall oder bei der Bodenarbeit. 

Ein Pferd, was Dich einfach anrempelt oder im schlimmsten Fall sogar umrennt, ist ein inakzeptables Sicherheitsrisiko für Dich. Also nun die Übung.

Dein Pferd ist nach wie vor am Stallhalfter, Knotenhalfter oder Kappzaum und Du hast es zu Dir an die Hand gerufen. Nun möchtest Du, dass es rückwärts geht, wenn Du einen Schritt in Richtung Deines Pferdes machst. Auch hier übst Du leichten Druck auf Dein Pferd aus und unterstützt das Ganze mit einem Stimmkommando, zum Beispiel „ Back“ oder „ Zurück“.

Der Druck könnte zum Beispiel ein Impuls im Seil sein oder ein Fingerdruck auf die Brustpartie des Pferdes. Auch leichtes Antippen der Beine oder Brust können als Hilfe dienen, dieses Kommando zu lernen.


Konsequenz

Klappt eine Uebung nicht sofort oder reagiert Dein Pferd gar nicht so, wie es mit der gelernten Hilfe sollte, wird der Druck langsam gesteigert. Das heisst, Du machst ihm das nicht erwünschte Verhalten unangenehm und bereits beim ersten kleinen Anzeichen in die richtige Richtung gibst Du nach und lobst das Pferd.

Wichtig ist, dass Du Dir selber klar machst, was Du im Minimum an Antwort von Deinem Pferd haben möchtest und das dann aber auch einforderst.


Mit oder ohne Seil?

Anfangs sind die Uebungen leichter zu kontrollieren, wenn Du das Pferd an einem etwa 10 m langen Seil hast. Das Seil ermöglicht Dir, zusätzlich Impulse zu geben und den Abstand zu Deinem Pferd zu bestimmen.


Arten des Lobes

Ich persönlich bin kein Fan von Belohnung mit Leckerlies, weil eine meiner Stuten völlig in Stress gerät, wenn sie das Leckerli sieht. Ich lobe meine Pferde während der Arbeit nur mit Stimme und Streicheleinheiten und vor allem mit sofortigem Nachlassen des Druckes, sobald das nachgefragte Verhalten auch nur in Ansätzen gezeigt wird. Erst nach Abschluss der Arbeit gibt es Belohnungswürfel am Boden, nicht aus der Hand.

Das muss aber jeder selber herausfinden, wie sein Pferd reagiert.


 

Starterset Bodenarbeit:

Kappzaum, Carrott Stick oder Longierpeitsche Longe und Bodenarbeitsseil, Bodenbegrenzungen, Buch zur Bodenarbeit