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Muskelaufbau Pferd

Die richtige Physis ist der Anfang von allem: Muskelaufbau beim Pferd
Unabhängig davon, ob ein Pferd zum Reiten, Fahren oder Voltigieren verwendet wird, handelt es sich in jedem Fall um eine sportliche Betätigung, die im natürlichen Lebensraum eines Pferdes nicht
vorkommt. Vor allem das Gewicht des Reiters auf dem Rücken, stellt eine hohe unnatürliche Form von Belastung dar. Entsprechend wichtig ist es, das Pferd aufzutrainieren, ehe mit dem Reiten begonnen werden kann.

Je besser dies gelingt, desto länger bleibt das Pferd in aller Regel gesund.

Gerade beim Muskelaufbau kommt es jedoch nicht nur auf ein ausreichendes Maß an Training an, sondern auch auf dessen Ausgestaltung. Parallel spielen außerdem die Ernährung, sowie die Haltungsbedingungen des Pferdes eine wichtige Rolle.


Die Muskulatur des Pferdes

Der gezielte Aufbau der Muskulatur setzt Kenntnisse über die Beschaffenheit der Muskeln eines
Pferdes voraus. Grundsätzlich wird hierbei zwischen vier Gruppen unterschieden.

  1. Die glatte Muskulatur ist dabei für die Funktion der inneren Organe zuständig. Ihre Kontraktionen erfolgen unwillkürlich.
  2. Die quergestreifte Skelettmuskulatur wird dagegen willentlich angespannt. Die
    Herzmuskulatur arbeitet unwillkürlich, ist aber trotzdem quergestreift und stellt somit eine
    Mischform dar. Wichtig für die Arbeit mit den Pferden ist naturgemäß vor allem die
    Skelettmuskulatur, die etwa 45 Prozent der Gesamtmasse eines Pferdes ausmachen. Innerhalb dieser Muskelgruppe wird wiederum zwischen roten und weißen Muskelfasern unterschieden. Deren Zusammensetzung innerhalb eines Muskelstrangs unterscheidet sich sowohl im Hinblick auf die Rasse als auch die Lage des betreffenden Muskels.
  3. Die roten Muskelstränge arbeiten dabei deutlich
    langsamer und sind auf eine lang anhaltende Kontraktion hin ausgelegt.
  4. Weiße Muskelstränge sorgen dagegen für schnell einsetzende Kontraktionen. Dafür hält die Anspannung auch nur für kurze Zeit an. Entsprechend finden sich in Muskeln, die zur Haltung und Stützung dienen vermehrt rote Muskelstränge, während in Bewegungsmuskeln die weißen Stränge dominieren.

Wechsel von Entspannung und Anspannung

Um Muskeln beim Pferd aufzubauen, ist vor allem ein vernünftiger Wechsel von Anspannung und
Entspannung notwendig. Denn eine dauerhafte Anspannung führt nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Pferd zu einer Verkrampfung, ohne dass ein Gewinn an Muskelmasse zu verzeichnen ist.
Gleichzeitig sollte der Fokus aber selbstverständlich auf eine möglichst häufige Anspannung
gerichtet werden. Dies gilt vor allem im Rahmen der Bodenarbeit.


Langsam aufbauen

Gerade wenn das Pferd während des Winters wenig gearbeitet wurde, sollte nicht sofort der Sattel aufgeschnallt werden, sondern mit einem Training vom Boden aus begonnen werden, um am Muskelaufbau für die künftigen Aufgaben während der Saison zu arbeiten. Hier macht es wenig Sinn, das Pferd möglichst lange im Kreis zu scheuchen. Denn an der Ausdauer sollte nach dem Aufbau der Muskulatur gearbeitet werden. Außerdem ist wichtig, die zeitliche Beanspruchung des Pferdes nach und nach zu steigern.

Im Hinblick auf den Muskelaufbau sind zehn Minuten Arbeit mit der Longe effektiver als eine halbe Stunde im freien Lauf.


Handwechsel

Wichtig ist dabei vor allem ein regelmäßiger Handwechsel um eine einseitige Belastung zu
vermeiden. Außerdem lässt sich auf diese Weise gezielt an der schwächeren Hand länger arbeiten,
um diese nach und nach zu verbessern.


An der Hinterhand arbeiten

Für eine intensive Bodenarbeit spricht außerdem, dass sich die Arbeit der Hinterhand besser
beobachten lässt. Diese muss für den notwendigen Schub sorgen. Dies gilt sowohl im Sinne einer
vernünftigen Anspannung der Muskulatur zum Tragen des Reiters als auch in Bezug auf die Versammlung des Pferdes im Rahmen der Dressur. Ob das Pferd vernünftig untertritt, lässt sich bei der Bodenarbeit an der Longe deutlich besser nachvollziehen als vom Sattel aus.

Gleiches gilt im Hinblick auf ein aktives Abhufen und die Gleichmäßigkeit der Bewegung. Ist die Bewegung der Hinterbeine schwungvoll und raumgreifend, treten diese auch in ausreichendem Maße unter den Schwerpunkt und die Muskulatur wird auf einem im Rahmen des Reitens sinnvollen Bewegungsablauf trainiert.

Wichtig ist dabei zunächst an der Schub- und erst im nächsten Schritt an der Tragkraft zu arbeiten. Nach der Bodenarbeit zu Beginn der Saison gilt es, auch während des Reitens auf ein vernünftiges Untertreten bei den verschiedenen Gangarten und Tempi zu achten.


Die Ernährung dem Training anpassen

Je mehr die Arbeit mit einem Pferd intensiviert wird, desto wichtiger wird auch die richtige
Ernährung. Dabei spielen vor allem das Raufutter und das Kraftfutter eine zentrale Rolle. Das
Saftfutter, in Form von Möhren- oder Apfelstückchen, hat dagegen eher Belohnungscharakter als
einen direkten Einfluss auf die Muskelentwicklung. Beim Raufutter sieht das anders aus.

Denn Heu ist der wichtigste Lieferant für zum Muskelaufbau notwendige Proteine. Diese Eiweiße setzen sich wiederum aus unterschiedlichen Aminosäuren zusammen. Bei diesen wird zwischen essenziellen und nicht essenziellen Aminosäuren unterschieden.

  • Erstere kann der Körper selber herstellen.
  • Die nicht essenziellen Aminosäuren müssen dagegen über die Nahrung zugeführt werden. Dabei handelt es sich um Lysin, Methionin, Tryptophan, Valin, Leucin, Threoin, Isoleucin, Phenylalanin und Histidin.

Mit steigender Belastung durch Training wächst auch der Eiweißbedarf eines Pferdes. Ein Muskelaufbau kann nur bei ausreichender Versorgung gelingen. Andererseits sind Pferde keine Wiederkäuer und haben in der Regel einen sensiblen Stoffwechsel. Ein Überangebot von Eiweiß kann daher zu einer Belastung des Organismus führen. Hierbei sind vor allem die der Entgiftung dienenden inneren Organe betroffen.

Sojaschrot ist ein natürlicher Lieferant von Aminosäuren.


Die richtigen Mengen bereitstellen

Entsprechend wichtig ist es, die bereitgestellte Futtermenge der Trainingsintensität anzupassen.

In Sachen Raufutter werden dabei ein bis eineinhalb Kilo Heu pro Hundert Kilogramm Körpergewicht inAnsatz gebracht.

In Zeiten starker Beanspruchung wächst der Bedarf damit gegenüber ruhigen Phasen
auf bis zum Anderthalbfachen. Außerdem kommt es im Hinblick auf die im Heu enthaltene
Rohproteinmenge auf den Zeitpunkt des Schnitts an. Der erste Schnitt des jungen Grases ist dabei
regelmäßig gehaltvoller als die späten Schnitte im Laufe der Wachstumsperiode. Neben Menge und Qualität des Heus kommt in Trainingsphasen auch dem Kraftfutter stärkere Bedeutung zu.

Hier kommt es zu einem leicht gesteigerten Bedarf an Mineralien und Elektrolyten. Vor allem aber sollte, sofern das Futter selber zusammen gestellt wird, der Getreideanteil deutlich vergrößert werden.

Besonders gut verdaulich ist hier Hafer, weil er als einziges Getreide bereits im Dünndarm verstoffwechselt werden kann. Und zwar nicht der gequetschte Hafer, sondern Hafer ganz. Der gequetschte Hafer muss sehr schnell aufgebraucht werden, da sich sonst Schimmel bilden kann.

Das Hafer grundätzlich die Pferde “ spinnig“ macht, ist übrigens ein Ammenmärchen. Es ist eher die Menge an Energie, die dem Pferd auf einmal zur Verfügung gestellt wird und die kannst Du bei jeder Art von Kraftfutter selber dosieren.

Im Sinne einer besseren Verdauung sollte bei besonders intensivem Training nach Möglichkeit nicht nur eine Fütterung erfolgen, sondern die Menge auf mehrere Portionen zu unterschiedlichen Tageszeiten aufgeteilt werden.

Denn je besser der Stoffwechsel funktioniert, desto gesünder und damit leistungsbereiter ist das Pferd.